Der Wandel zu mehr Nachhaltigkeit in Unternehmen ist eine der großen Herausforderungen unserer Zeit. In einem Beitrag für die Zeitschrift Führung + Organisation (zfo) skizziert Anke Weidling, Beraterin in der Sustainability Practice Group bei Egon Zehnder, Herausforderungen und gibt Handlungsempfehlungen, wie die Transformation nachhaltig gelingen kann.
Das Thema Nachhaltigkeit brauche noch Aufmerksamkeit und sei in vielen Unternehmen noch nicht systemisch integriert, stellt Weidling fest. Der Wandel müsse im Kopf beginnen. Das Problem: Noch immer werde Nachhaltigkeit als Thema ideologisch verortet – dabei sei es ein Sachthema – und weggeschoben („kognitive Dissonanz“). „Entscheider:innen, die sich damit nicht eingehend beschäftigen, sind schlechte Manager:innen“, konstatiert die Organisationspsychologin. In den markanten Worten von Prof. Stefan Schaltegger spricht sie in diesem Zusammenhang von „riskantem Personal“, das eine unzureichende Nachhaltigkeitskompetenz mitbringe. Dagegen helfe vor allem Wissensvermittlung und die Überzeugung, wirksam zu sein und etwas unternehmen zu können.
Sie rät, den Fokus auf Innovationen und unternehmerische Chancen der Nachhaltigkeit zu legen und auch vermeintlich ungewöhnliche Allianzen z.B. mit NGOs einzugehen: „Gerade für Unternehmen, die sich neu in der Welt der Nachhaltigkeit bewegen, können solche Kooperationen ein guter Startpunkt sein […].“ Es gelte das Motto „Kollaboration statt Konkurrenz“; erfordert seien Offenheit und Überlegungen, „was die radikalste Nachhaltigkeitslösung wäre“.
Als weiteres unternehmensinternes Hindernis respektive weiteren Treiber nennt Weidling die Unternehmenskultur. Eine „verfestigte Unternehmenskultur“ sei blind für echten Wandel: „Zu den Grundlagen der Kulturtransformation zählt der Bewusstseinswandel (Mindset Shift), also die Veränderung von Glaubenssätzen, die dann entsprechend veränderte Verhaltensweisen nach sich ziehen.“ Hier seien insbesondere die Führungspersönlichkeiten gefragt, die die Fähigkeit mitbringen müssten, „Nachhaltigkeit als komplexen systemischen Wandel zu gestalten“, schreibt die Expertin. Auch dem Aufsichtsrat komme eine wichtige Rolle zu: „Ein grundlegender Wandel zu mehr Nachhaltigkeit gewinnt dann Momentum, wenn Aufsichtsgremien ihn unterstützen und eine Nachhaltigkeitsaspiration formulieren – einen Anspruch, der vom Exekutivgremium (Vorstand, Geschäftsführung) in eine praktische Nachhaltigkeitsagenda umgewandelt werden und in das Unternehmen hineingetragen werden muss.“ Best-in-Class-Beispiele zeigten etwa, dass dies erfolgreich mit einem Anreiz- und Bonusprogramm verbunden werden könne.
Zum Ende ihres Beitrags erinnert Weidling an die Digitalisierungstransformation, die Unternehmen vor ähnliche Herausforderungen gestellt habe, einen fundamentalen Wandel einzuleiten. Viele Unternehmen stünden erst am Anfang – hier gelte es zunächst, die „richtigen Menschen“ am „richtigen Platz“ zu positionieren, um „verantwortungsvolles Personal“ im Sinne der Transformation hin zu mehr Nachhaltigkeit zu rekrutieren.
Anke Weidling: Nachhaltige Unternehmenstransformation. Herausforderungen und Erfolgsfaktoren auf dem Weg zur Nachhaltigkeitskultur; in: zfo 03/2024, S. 145-150